„Der literarische Erfolg des in Stuttgart lebenden Agrarwissenschaftlers Zacharias G. Mathioudakis, der thematisch aus alten Geschichten, Reimen, Fabeln und Märchen seines kretischen Heimatdorfes Klima schöpft, beruht auf der Fähigkeit, einen echten Volkston zu treffen und auch realen Personen ein mythisches Flair zu schenken. Der "Lyraspieler" ist der 1991 verstorbene Onkel des Autors, Michalis Rizikianakis, "genannt Rizikianos". Ihn läßt der Neffe, unterbrochen nur von kurzen interviewartigen Fragen, assoziativ, sich von Episode zu Episode schwingend, aus seinem Leben erzählen. So "hören" wir unmittelbar die Geschichte eines Dörflers, der des Lesens und Schreibens kaum kundig ist, aber von früher Jugend auf privaten und öffentlichen Festen und schließlich im eigenen Kaffeehaus mit seinem Lyraspiel die Leute und nicht zuletzt sich selbst beglückt. Als "Berufsnomade" geht er wechselnden Arbeiten nur dann und solange nach, wie sie ihn nicht langweilen. Obwohl er bitter arm bleibt, gelingt es ihm unaufhörlich, seine Tage bei üppigen Gelagen und in trinkfester Geselligkeit hinzubringen. Die Mitte seines Lebens und seine aufregendste Zeit, leidvoll und unter großen Gefahren, doch durchaus auch als Abenteuer des geschickten Überlebenskampfes genossen, verbringt er im Krieg auf geheimen Schleichwegen zwischen den Fronten deutscher Besatzer, britischer Geheimdienstaktionen und kretischer Partisanen. Trotz allem gelingt es ihm, seine geliebte Chariklia zu heiraten, drei Söhne zu zeugen und am Ende eine kleine Rente zu genießen...
Der Lyra spielende Partisanenhelfer Rizikianos schildert das Durchleben an sich: Härte, Entbehrung, Angst, Gefahr, Todesmut und Stolz auf den Widerstand suchen sich bei einer weitgehend wertungslosen Hinnahme der Tatsachen kraftvollen Ausruck. So wird dem Helden auch die Erzählung einer Szene wie dieser möglich: die gemeinsame raki-feuchte nächtliche Feier der Geburt seines dritten Kindes mit zwei deutschen Besatzungsposten, die eigentlich das Einhalten der Ausgangssperre zu überwachen hatten und stattdessen die Hebamme zur Gebärenden geleiteten...“